Liebe Schachfreunde, am Samstag, den 29.3., waren vier Bindlacher Jungs mit unserem Jugendtrainer David in Erlangen, um bei der ersten Runde der bayerischen U12 Mannschaftsmeisterschaft mitzuspielen. Wie es Philipp Opitz, Henri Wölfel, Julian Schwarzbauer und David Günther erging? Hier der Spielbericht:
1. Runde gegen Erlangen

An Brett 1 hatte Philipp gleich einen Gegner mit über 500 DWZ mehr. Er startete frühzeitig mit Schwarz einen Angriff am Königsflügel, der von seinem Gegner aber souverän pariert wurde. So ging relativ schnell auch eine Leichtfigur verloren. Philipp versuchte noch, sich weiter zu verteidigen, aber der nominell stärkere Gegner brachte die gewonnene Stellung sicher in trockene Tücher.
Henri eröffnet mit Weiß sehr solide und machte es seiner Gegnerin schwer, einen Vorteil zu erspielen. Über weite Strecken (fast 35 Züge) hielt er gegen die deutlich stärkere Konkurrenz den Ausgleich, bis er in immer gedrückterer Stellung eine Bauergabel übersah. Der Materialgewinn war für die Gegnerin genug, den vollen Punkt nach Hause zu bringen. Trotzdem ein großes Lob an Henri für diese wirklich stark gespielte Partie!
Julian brachte seinen Gegner mit seiner unorthodoxen Eröffnung gleich zu Beginn aus dem Konzept, dass er ihm einzügig eine Figur schenkte. Durch eine Reihe an Ungenauigkeiten und zu schneller Spielweise von Julian gelang es aber seinem Gegner, die Partie zu drehen und seine Türme tief in die schwarze Stellung eindringen zu lassen. Letztendlich konnte Julian, dass Matt nicht mehr verhindern. Daraus können wir lernen, dass man nie zu locker und zu schnell spielen darf, selbst wenn man die Partie schon gewonnen glaubt.
David, als unser Jüngster, brachte seine Leistung an Brett 4. Durch ein Bauernopfer im Zentrum lockte er seine Gegnerin in eine Falle und gewann dabei eine Leichtfigur. Das nach dem Mittelspiel entstandene Endspiel, brachte David locker und technisch sauber nach Hause.

So ging die 1. Runde gegen die deutlich stärkeren Kinder aus Erlangen nur knapp verloren, obwohl unser Team wider allen Erwartungen doch gute Chancen auf ein Unentschieden hatte.

2. Runde gegen Nürnberg
An Brett 4 gewann David in der Eröffnung wegen eines Fehlers seines Gegners schnell die Dame und stand frühzeitig auf Gewinn.
Genau anders herum lief es an Brett 3. Julian musste nach starken taktischen Motiven seiner Gegnerin widerwillig seine Dame geben. Die danach folgende kreative Verteidigung mit weiteren Figurenopfern ist jedoch hervorzuheben. Wenn die Gegnerin auf die Fallen von Julian reingefallen wäre, hätte das auch schnell zu einem Punkt für Bindlach führen können. Leider ließ sich die Gegnerin nicht auf die Figurenopfer ein und fand starke Verteidigungszüge. Am Schluss konnte Julian das Matt nicht mehr abwehren.
Henri spielte wieder stark in der Eröffnung, musste aber einen Zentrumsbauern hergeben. Die Kompensation war durchaus in der offenen Stellung durch sein Läuferpaar gegeben. Jedoch ging beim Übergang ins Endspiel ein zweiter Bauer verloren. Das daraus resultierende Endspiel war nicht mehr zu halten.
Philipp hatte die Mammutaufgabe an Brett 1 gegen die gefürchtete Olha Ratushna (1603 DWZ) zu spielen. Gleich in der Eröffnung musste Philipp zwei Bauern hergeben, weil er die Probleme am Brett nicht anders zu lösen wusste. Jedoch übersah seine Gegnerin eine Läufergabel auf einen ungedeckten Springer und einen Turm. Philipp konnte die Qualität gewinnen und so wieder materiellen Gleichstand herstellen. In dieser Stellung kam ein taktisch kluges Remisangebot von Philipp, welches seiner Gegnerin wegen der unklaren Stellung an Brett 3 und unserer gewonnenen Stellung an Brett 4 viel Kopfzerbrechen bereitete. Nach längerer Überlegung und der Gewissheit des Ergebnisses von Brett 3 wurde jedoch weitergespielt und auch diese Partie ging leider verloren. Allein der Gewieftheit willen hätte Philipp das Remis verdient gehabt!
So ging auch der Kampf gegen die deutlich stärkeren Nürnberger knapper verloren als es der DWZ-Durchschnitt vermuten hätte lassen.

3. Runde gegen Seubelsdorf
Die Moral war nach den zwei Verlustmatches immer noch nicht erschüttert und die Bindlacher Jungs stürzten sich gegen die Seubelsdorfer in die nächste Schlacht.

David spielte mit Schwarz eine solide Eröffnung. Durch einen Fehler seines Gegners gewann er im Mittelspiel eine Qualität und er mattierte daraufhin seinen Gegner gnadenlos. So machte David seinen Hattrick perfekt und brachte Bindlach früh in Führung.
Anders an den beiden vorderen Brettern: bei Philipp und Henri zeigten die schweren Partien der letzten zwei Runden doch ihre Wirkung. Beide Partien drifteten langsam aber sicher in eine Verluststellung ab und gingen verloren. Ein harter Tag für beide Spieler, die nur gegen nominell deutlich stärkere Spieler ans Brett mussten, aber trotzdem Kampf- und vor allem Teamgeist bewiesen haben.

An Brett 3 wollte Julian seine neu gelernte Eröffnungstheorie ausprobieren, jedoch wich sein Gegner gezielt der Variante aus. Der Gegner startete einen Angriff auf den in der Mitte gefangenen König. Julian verteidigte sich zäh gegen den zu siegessicheren Kontrahenten und konnte mit 2 Punkten Materialdefizit sich aus dem Mattangriff retten. Jetzt drehte sich die Moral aus Runde 1 herum und der Gegner übersah wegen zu schnellem Spiel in gewonnener Stellung eine Springergabel. Julian gewann einen ganzen Turm. Die ganze Mannschaft fieberte gespannt der Partie hinterher, ob Julian seinen Vorteil verwerten konnte, weil auch der Gegner noch einige Fragen am Brett stellte und immer wieder kreative Springergabeln drohte. Zum Schluss gab Julian zum Schock seiner Mannschaftkammeraden die Mehrqualität zurück, um in ein Bauernendspiel mit Minusbauern abzuwickeln. Jedoch hatte Julian die Variante durchgerechnet, wandelte sicher seinen Freibauern früh genug zur Dame um und holte das redlich verdiente 2-2 gegen Seubelsdorf!

Ich bin super stolz auf unsere Jungs, die an dem Tag echt eine gute Leistung gegen deutlich stärkere Teams gezeigt haben und sich am Schluss mit einem 2-2 belohnt haben. Was mich besonders gefreut hat, ist, dass die Jungs im Laufe des langen Schachtages immer mehr als Mannschaft zusammengewachsen sind und die Teamleistung über den Einzelergebnissen stand.

Auf dem Papier sind wir zwar letzter geworden, aber wenn man es in Relation zu den deutlich stärkeren anderen Teams setzt, haben wir trotzdem unsere Erwartungen übertroffen! Da sowieso nur die ersten beiden in die nächste Runde einziehen, war von Vornherein das Weiterkommen in der bayerischen Liga unwahrscheinlich.
Ich freue mich, wenn wir mit dieser tollen Mannschaft nächstes Jahr die oberfränkische U14 Liga unsicher machen können. Der Grundstein ist nach dieser Teambuildingmaßnahme auf jeden Fall dafür gelegt!
LG Trainer David