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Archiv   1. / 2. Runde Katernberg / Mülheim
16.09.2007 von Klaus Steffan

TSV Bindlach-Aktionär Tabellenführer nach dem 2. Spieltag
31.10.2006 ks) Die neue Schachbundesligasaison hat begonnen. Die "üblichen Verdächtigen" tummeln sich nach 2 Runden bereits in der Spitzengruppe. Baden-Baden, Bremen und Porz gewannen jeweils mehr oder weniger ohne Probleme die ersten beiden Runden. Zu den Etablierten gesellt sich auch der vor der Saison von der Fachpresse stark eingeschätzte Aufsteiger aus Bindlach. Mit zwei Siegen bestand der TSV Bindlach-Aktionär seine Feuertaufe in der 1. Schachbundesliga. In Runde 1 traf die mit 7 Großmeistern gespickte Bindlacher Mannschaft auf das bundesligaerfahrene Team aus Katernberg/Essen. Mit 6:2 gewannen die Oberfranken klar, obwohl das Endergebnis dem Spielverlauf nicht ganz gerecht wird. Die Partie des Tages spielte der junge 21jährige Prager Student Großmeister David Navara. Dem Angriffswirbel des Weltranglistendreizehnten, der mit einem Scheinopfer erfolgreich auf Damenfang ging, hatte der junge GM Erenburg nichts entgegenzusetzen und musste sich der Angriffswucht der tschechischen Nummer 1 geschlagen geben. Den zweiten Punkt erzielte Neuzugang GM Baklan, der ein Qualitätsopfer erfolgreich parierte, wobei sein Gegner mit argen Zeitproblemen zu kämpfen hatte. Am Spitzenbrett spielte auf Bindlacher Seite Arkadij Naiditsch, die deutsche Nummer eins gegen GM Motylev. Motylev war beim letzten WM-Kampf als Berater des neuen Weltmeisters Kramnik tätig. Naiditsch opferte frühzeitig einen Bauern für gutes Gegenspiel. Nach dem die Bindlacher Nummer eins noch einen Springer "ins Geschäft" steckte, aber sein Angriff verflachte, musste er im Endspiel aufgrund seiner Materialunterlegenheit die "Waffen strecken". In den übrigen Spielen machte sich die Verpflichtung Namhafter Großmeister auf Bindlacher Seite schon bemerkbar. Stohl, Bischoff und Markos bezwangen Ihre Gegner, während Prusikin und Baramidze die Punkteteilung erreichten. Im Spiel gegen Mülheim erwartete die Bindlacher ein äußerst starker Gegner, der in Bestaufstellung antrat. Von der Spielstärke her waren beide Mannschaften auf Augenhöhe. In diesem Kampf sollte die bessere Tagesform den Ausschlag geben. Der Gastgeber konnte im Transmar-Hotel zu Bindlach seinen Heimvorteil voll ausspielen und setzte schon nach 2 Stunden ein Zeichen. IM Jan Markos schnappte sich in einer klugen Nebenvariante die Dame, was beim Gegner und seinen Mannschafskameraden wie eine Bombe einschlug. Der junge Bindlacher nutzte seinen Materialvorteil konsequent und brachte Bindlach in Führung. Die Remisen von Prusikin und Stohl festigten die Führung ehe GM Baramidze in einem schwierigen Endspiel den Vorsprung ausbaute. David Navara stellte in fast ausgeglichener Stellung einen ganzen Turm ein, was den Kampf noch mal spannend machte. Nun aber schlug die Deutsche Nummer 1 Arkadij Naiditsch zu. Er erarbeitete sich in der Eröffnung einen Mehrbauern und verwertete seinen Vorteil in kompliziertem Endspiel zum Sieg. Mit 4 Punkten war der Kampf noch nicht entscheiden. Ein halber Punkte musste her. An Brett 7 kam der Lokalmatador GM Michael Bezold zu seinem ersten Einsatz im Bärenteam. Bezold eröffnete offensiver als sonst und erreichte eine leicht angenehme Stellung. In der Zeitnotphase allerdings verschaffte sich der Mülheimer GM Hausrath einen gefährlichen Freibauern, den der Pulvermüller aus Waischenfeld unter Kontrolle brachte. Nach 5 Stunden wurden die Züge wiederholt und man einigte sich auf Remis, was den Gesamtsieg für Bindlach sicherstellte. Damit waren 2 Mannschaftspunkte eingefahren. Es war dann GM Baklan vorbehalten, das Resultat zu erhöhen, indem er mit genauer Endspieltechnik seinen Gegner niederrang.
Der Jubel in den Reihen der Bindlacher war groß, als die Ergebnisse der Konkurrenz bekannt wurden. Nach dem 2. Spieltag steht der Aufsteiger als Tabellenführer in der Pflicht, diesen tollen Resultaten weitere folgen zu lassen. Natürlich ist man auch in Bindlach realistisch. Das Tabellenbild ist nur eine Momentaufnahme. Die richtig schweren Brocken kommen alle noch und dann wird man sehen, was die "jungen Wilden" wirklich können. Im November reisen die Franken in die Bundeshauptstadt nach Berlin. Die Berliner Vereine Tegel und Kreuzberg am 18./19. November 2006 warten als nächste Gegner auf die Schachaktionäre.
Der TSV Bindlach-Aktionär scheint in Liga 1 angekommen zu sein. Freuen wir uns auf eine spannende und hoffentlich erfolgreiche Saison.
Fazit aus Sicht des Veranstalters: Neben 3 äußerst angenehmen Gastmannschaften hatten wir Bindlacher wenig organisatorische Probleme zu bewältigen. Das Hotel bot beste Bedingungen. Die Firma Schach.com mit Axel Fritz übertrug die Partien ohne Probleme. Die Zuschauer wurden im extra Kommentarraum "fachkundig" beraten. Rundum ein erfolgreiches Wochenende. Aber einige Kleinigkeiten werden beim nächsten Heimspiel noch optimiert. Die Region nahm das Bundesligaspektakel an, wobei es schon noch ein paar Zuschauer mehr hätten sein können. Aber wir denken positiv und freuen uns auf den März, wenn der Deutsche Meister OSC Baden Baden am 12. / 13. Spieltag nach Bindlach kommt.
Hier alle Livekommentare der Bindlacher Spieler im Überblick

Mülheim – Bindlach
Naiditsch-Tregubov 1-0
"In der Eröffnung hat mich mein Gegner für mich neuen Zug b6 ?! angenehm überrascht. Bei den Abwicklungen konnte ich einen Mehrbauern gewinnen und ins Turmendspiel abwickeln was ich erfolgreich technisch sicher verwertete."
Landa-Navara 1-0
Nach der Eröffnung hat Weiß einen klaren Vorteil. Dann machte ich ein paar genaue Züge und konsolidierte meine Stellung, aber mein Gegner behielt etwas Druck. Ich spielte zu langsam und deshalb befand ich mich in leichter Zeitnot in sehr scharfer Stellung. Dann habe ich in einer schweren aber haltbaren Stellung einen großen Fehler gemacht und verlor sofort.
Baklan-Golod 1-0
Heftige Gegenwehr des Mülheimers, ich fand lange nicht die genaueste Fortsetzung, wir quälten uns beide über die Zeit.
Fridman-Baramidze 0-1
Die Partie hatte am Anfang einen merkwürdigen Verlauf. Ich denke nach 12….c5 habe ich gutes Spiel, aber die Stellung ist sehr kompliziert. Die Partie verlief ziemlich ausgeglichen. Statt 30.Tc8 wäre Le3 einfacher gewesen, wonach die Stellung ausgeglichen ist. In der Partie bekam ich noch einige Chancen. Mein Gegner machte mit 37.Lh6 den entscheidenden Fehler und die Stellung war ganz einfach für mich zu gewinnen. Mit 37.Lc5 hält Weiß Remis.
Prusikin-Levin 0,5-0,5
Mein Gegner hat mich mit seiner Eröffnungswahl überrascht: auf die verbesserte Tarraschverteidigung war ich überhaupt nicht vorbereitet. Nachdem die Eröffnung abgeschlossen war, fand ich nicht den richtigen Plan. In ausgeglichener Stellung bot mir mein Gegner Remis an. Da ich weniger Zeit hatte und der Wettkampf ganz gut stand, willigte ich ein.
Saltaev-Stohl 0,5-0,5
Nach einem soliden Caro-Kann hatte ich eine feste Stellung erreicht. Mein Gegner hat dann die Stellung vereinfacht und bekam um einen Tick besseres Endspiel mit Springer gegen Läufer. Aber Schwarz hat nur eine Schwäche und die Stellung war immer haltbar, was auch mein Gegner anerkannte und bot Remis an.
Bezold-Hausrath 0,5-0,5
Ich eröffnete offensiver als sonst und erreichte eine leicht angenehmere Stellung. Ich rochierte lang, mein Gegenüber kurz. Damit war die Strategie für beide Seiten klar. Ich hatte zudem die etwas bessere Bauernstrukur. In der Zeitnotphase allerdings setzte der Mühlheimer nach ungenauen Zügen von mir geschickt fort und verschaffte sich einen gefährlichen Freibauern auf c2.Dagegen hatte ich das Zentrum und insbesondere die schwarzen Felder unter Kontrolle.
Schebler-Markos 0-1
In meiner Lieblingseröffnung hat der Mülheimer anscheinend nicht alles gekannt. In eine Nebenvariante hat auf ihm eine Bombe gewartet. Er hat lieber die Dame gegeben. Er wollte nicht keine schlechtere Position ohne Bauer. Die Stellung war danach nicht klar, obwohl Schwarz bessere Aussichten hat. Nach manchen Ungenauigkeiten hat aber mein Angriff auf den Königsflügel die Entscheidung herbeigeführt.

Bindlach – Katernberg
Motylev-Naiditsch 1-0
Mein Gegner überraschte mich schon mit dem ersten Zug. Wie er nach her sagte, spielte zum 2-mal im Leben 1.d4. Kannte sich aber gut aus mit der Theorie, und stand ein wenig besser in der Beginn Phase. Danach denke ich, habe ich es geschafft eine sehr unklare Stellung zu erreichen. Habe Figur geopfert, sah sehr viel versprechend aus, war aber leider nichts. Insgesamt eine sehr interessante Partie.
Navara-Erenburg 1-0
"11. a3 war vielleicht interessant. Vermutlich ist das eine Neuerung. Ich kannte die Stellung, doch a3 habe ich am Brett gefunden. Das führt zu scharfem Spiel, wenn Schwarz das Opfer annimmt. Ich denke, dass die Annahme zu riskant ist. Ich bekomme große Kompensation."
Baklan-Chuchelov 1-0
"Ein unklares Spiel, sehr komplizierte Stellungen," stöhnt der Ukrainer mit einem Lachen. "Ich denke, 23. - Ld5 war der Schlüsselzug." Kommentator Michael Bezold: "Ein Verteidigungsleistung."
Baramidze-Glek 0,5-0,5
"7. Se2: ist ein seltener Zug. Normal ist Le3. Glek hat mit b5 mit der richtigen Idee gespielt. 14. f5 ist schwer zu beurteilen. Vielleicht ist es zu früh. Aber auf die Rochade kommt g6. 17. - Dd7 ist ein wichtiger Zug. Danach ist die Stellung ausgeglichen." Sieht nach 23. T1f4 die Stellung da nicht aktiv für Weiß aus? "Ich habe keine konkreten guten Fortsetzungen."
Firman-Prusikin 0,5-0,5
In der Eröffnung habe ich ausgeglichen. Danach leistete ich mir allerdings ein zwei kleine Ungenauigkeiten, wonach mein Gegner einen leichten Druck entwickeln konnte. Aber auch er spielte nicht perfekt und hätte nach der Zeitkontrolle beinahe überzogen. In einer für mich bereits minimal besseren Stellung bot mein Gegner Remis an. Da wir gerade dabei waren, den Wettkampf zu gewinnen willigte ich ein. Insgesamt war das Gleichgewicht in der Partie wohl nie wesentlich gestört.
Bischoff-Senff 1-0
Damegambit - Lasker, total schwer für weis was rauszuholen, im 16. Zug Sf8 war schon der entscheidende Fehler (besser war Sf6) Und nach d5 steht weis im höheren Sinne auf Gewinn, obwohl weis nicht konsequent spielte, reichte es zum Sieg.
Siebrecht-Stohl 0-1
Aus dem Eröffnung kam ich gut raus, besonders nach dem mein Gegner die Stellung mit dxc5 öffnete. Schwarz bekam eine bequeme Stellung mit Läuferpaar und aktiv hängendem Bauern-Duo. In die Phase bis Zug 27 ist es mir gelungen meine Figuren zu aktivieren. Auch Weiß kam zum taktischen Gegenspiel. Aber der schwarze Freibauer war mehr wert. In hochgradiger Zeitnot konnte ich sogar schneller gewinnen. Trotz dieser verpassten Möglichkeit war die Stellung nach Zug 40 mit einer Mehrqualität technisch gewonnen.
Markos-Souleidis 1-0
Ich stand aus der Eröffnung vielleicht etwas besser, typisches Königs-indisch reichlich kompliziert. Nachdem mein Gegner eine Menge Zeit verbracht hatte, öffnete ich das Zentrum, um taktischen Chancen zu kriegen. Obwohl objektiv gesehen hatte Schwarz Gegenspiel, in hochgradiger Zeitnot hat er seine Stellung völlig ruiniert.


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