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2. Schachbundesliga   Bindlach erobert die „Frankenkrone“
28.03.2017 von Klaus Steffan

von Jan Krensing

Am vergangenen Wochenende endete die Schachsaison in der 2. Bundesliga Ost. Die aktuelle Saison hatte sich mehr und mehr zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft entwickelt, an der Spitze thronten BCA Augsburg, ESV Nickelhütte Aue und der Erfurter SK. Untereinander hatten sich die drei Mannschaften jeweils mit einem Unentschieden getrennt, während lediglich die Erfurter gegen das Verfolgerfeld einen Mannschaftspunkt abgegeben hatten. Dieses eine Unentschieden war der Grund, warum sich nur Aue und Augsburg berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg in die 1. Bundesliga machen durften.

Zum abschließenden Doppelspieltag trafen sich die Auer zusammen mit ihren Verfolgern (SC Erlangen auf Platz 4, SC Forchheim auf Platz 5 und TSV Bindlach-Aktionär auf Platz 6) im Erlanger Vorort Uttenreuth. Da die Bindlacher einen Mannschaftspunkt Rückstand auf die anderen beiden fränkischen Teams aufwiesen, gab Mannschaftsführer Jan Krensing die Parole aus, dass zumindest ein Unentschieden erforderlich sei, um den Klassenerhalt höchstwahrscheinlich zu erreichen; zwei Mannschaftspunkte seien der garantierte Klassenerhalt. Denn es bestand die Gefahr, dass noch zwei Mannschaften die Bindlacher überholen. Die Plätze 8 bis 10 bedeuten den Abstieg in die Oberliga.

Für den Samstag sah der Spielplan das Duell zwischen dem TSV Bindlach und dem Schachclub Erlangen 48/88, dem letztjährigen Vizemeister der Oberliga Bayern, vor. Die Bindlacher bewahrten trotz angespannter Tabellensituation kühle Köpfe und gerieten in keiner der acht Partien in Verlustgefahr. An den vorderen drei Brettern hatten sich die Bindlacher leichte Vorteile erarbeitet. Doch dank der umsichtigen Verteidigung der Erlanger mussten Martin Petr (Weiß, Brett 1), Tadeas Kriebel (Schwarz, Brett 2) und Petr Neuman (W, 3) am Ende der Punkteteilung zustimmen. Pavel Cechs (S, 4) Partie verlief von Anfang bis Ende in ausgeglichenen Bahnen. Gavin Wall (W, 5) gewann in überzeugender Manier, während Jan Krensing (S, 6) und Felix Stips (W, 7) von Fehlern in gegnerischer Zeitnot profitierten. Zusammen mit dem Remis von Gerald Löw (S, 8) ergab sich ein souveräner 5,5-2,5-Sieg, der gleichzeitig alle Abstiegssorgen beendete.

Im zweiten Spiel des Wochenendes durfte sich der TSV Bindlach-Aktionär am Sonntag mit dem Schachclub Forchheim messen. Viele Partien waren in diesem Oberfranken-Derby von übergroßer Vorsicht geprägt, sodass in den Duellen von Petr (S, 1), Kriebel (W, 2), Neuman (S, 3), Cech (W, 4) und Wall (S, 5) bereits in der Eröffnungsphase bzw. im frühen Mittelspiel die Friedenspfeifen geraucht wurden. In den verbleibenden drei Spielen offenbarten sich die leichten Vorteile der weißen Figuren. Genau wie bei anderen Sportarten ist es auch beim Schach von Vorteil, den „Aufschlag“ zu haben. Durchschnittlich enden 40% der Partien mit einem Unentschieden, in 35% gewinnt Weiß, in 25% gewinnt Schwarz. Während Krensing (W, 6) bei einem kurzen Scharmützel rund um den 25. Zug sein leichtes Druckspiel aus der Hand gab, verteidigte Stips (S, 7) seine Position umsichtig. Beim Stand von 3,5-3,5 richteten sich nun alle Blicke auf die Partie von Löw (W, 8) und Bartsch. Mit einer Qualität mehr verwertete Löw seinen Vorteil gegen den Forchheimer Ehrenvorsitzenden. Mit diesem 4,5-3,5-Erfolg durchbrachen die Bindlacher eine fünfjährige Durststrecke, in der sie das prestigeträchtige Oberfranken-Derby nicht gewinnen konnten. Somit stehen für die Bindlacher am Saisonende 10-8 Mannschaftpunkte (fünf Siege bei vier Niederlagen) zu Buche, womit sie im Sinne der Zwei-Klassen-Gesellschaft den klaren Sieg in der zweiten Klasse errangen. Nach der Sommerpause sieht der TSV Bindlach-Aktionär der achtzehnten aufeinanderfolgenden Saison in der 2. Bundesliga entgegen, die am 21. Oktober beginnen wird.

Bei 16-2 Mannschaftspunkten musste die höhere Anzahl an Brettpunkten über die Meisterschaft entscheiden. Schlussendlich setzte sich der BCA Augsburg mit 49,5 Brettpunkten gegen den ESV Nickelhütte Aue mit 47,0 Brettpunkten durch. Die Meisterschaft der 2. Bundesliga Ost geht mit dem Anrecht einher, in der kommenden Saison in der 1. Bundesliga antreten zu dürfen. Eine gewisse Verwunderung dürfte der Vereinsname des Meisters hervorrufen, denn die Augsburger traten bis zum Jahreswechsel als SK 1908 Göggingen an. Mit Zustimmung des Deutschen Schachbundes wurde zum 01.01.2017 die Spielberechtigung samt Spielern an den neu gegründeten BCA Augsburg übertragen. Den Gang in die Drittklassigkeit treten SK König Plauen (6-10 Mannschaftspunkte), SK Passau (4-12 MP) und SF Anderssen Bad Mergentheim (3-13 MP) an.


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